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Führen in Krisensituationen – Teil 2: Das Team mit Enabling Leadership erfolgreich navigieren

Krisen stellen Führungskräfte und Teams auf eine harte Probe. Sie verlangen gleichzeitig Stabilität im Alltag, das Finden neuer Lösungen und oft auch unmittelbare Reaktionen auf chaotische Ereignisse. Was wie eine kaum lösbare Aufgabe klingt, lässt sich mit einer differenzierten Sicht auf Leadership meistern: Drei verschiedene Führungsarten sind notwendig, um Teams erfolgreich durch Krisen zu steuern – und die Complexity Leadership Theorie liefert dafür spannende Einsichten.


1. Operative Führung: Stabilität sichern

Auch in Krisen gilt: Das Tagesgeschäft läuft weiter. Prozesse müssen funktionieren, Standards eingehalten und klare Ziele verfolgt werden. Operative Führung bedeutet, Strukturen aufrechtzuerhalten, Verantwortlichkeiten zu klären und Effizienz sicherzustellen. Hier geht es um klassische Managementaufgaben – manchmal auch transaktional geprägt. Sie sind notwendig, um in unsicheren Zeiten die Basis zu stabilisieren.

Beispiel: In einer Krise muss eine Klinik trotz Personalengpässen weiterhin Notfallversorgung gewährleisten. Operative Führung bedeutet hier, Dienstpläne anzupassen, Ressourcen klar zuzuweisen und Abläufe einzuhalten.

Wann einsetzen:


  • Wenn Routinen weiterlaufen müssen.

  • Bei standardisierten Prozessen, wo Stabilität Sicherheit gibt.

  • In kritischen Bereichen, in denen Fehler fatale Folgen hätten (z. B. Luftfahrt, Gesundheitswesen).


2. Adaptive Führung: Lernen und Neues entwickeln

Krisen sind per Definition Situationen, in denen bestehende Routinen nicht mehr ausreichen. Hier braucht es adaptive Führung: Räume, in denen Experimente möglich sind, Fehler nicht nur erlaubt, sondern als Lernquelle genutzt werden. Führungskräfte fördern Innovationskraft, denken in Szenarien und Zukunftsbildern und ermöglichen dem Team, Neues auszuprobieren. Methoden wie Design Thinking oder schnelle Prototypen helfen, in unerwarteten Lagen handlungsfähig zu bleiben.

 

Beispiel: Ein Industrieunternehmen sieht sich durch Lieferkettenausfälle gezwungen, neue Materialien einzusetzen. Adaptive Führung bedeutet, Teams Freiraum für Experimente zu geben, Prototypen zu testen und aus Fehlschlägen schnell zu lernen.

Wann einsetzen:


  • Wenn gewohnte Lösungen nicht mehr greifen.

  • Bei neuartigen Problemen, die Kreativität erfordern.

  • In dynamischen Märkten oder technologischen Umbrüchen.


 

3. Enabling Leadership: Brücken bauen

Die eigentliche Kunst liegt jedoch darin, zwischen operativer und adaptiver Führung Brücken zu schlagen. Genau hier setzt Enabling Leadership an.


  • Enabling Leadership schafft Adaptive Spaces – Orte, an denen Stabilität und Innovation produktiv aufeinandertreffen.

  • Es bedeutet, Spannungen nicht zu vermeiden, sondern sie als Treiber von Entwicklung nutzbar zu machen.

  • Enabling Leadership übersetzt Neues in den operativen Alltag, ohne dass es von Bürokratie erstickt wird.


Gerade in Krisen heißt das für Führungskräfte: Sie stabilisieren ihr Team mit Klarheit und Richtung – und öffnen zugleich Räume, in denen Innovation und Lernen stattfinden können. Zentral ist dabei die psychologische Sicherheit: Mitarbeitende spüren, dass Fehler nicht bestraft, sondern zum Lernen genutzt werden. Vertrauen entsteht, wenn Führungskräfte Empathie zeigen, Orientierung geben und gleichzeitig Freiheiten ermöglichen.

 

Beispiel: Ein Startup wächst schnell und muss plötzlich Qualitätssicherung etablieren, ohne seine Innovationskraft zu verlieren. Enabling Leadership heißt hier, Standards einzuführen, aber parallel Räume für agile Entwicklung zu bewahren.



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Wann einsetzen:


  • Wenn Organisationen zwischen Effizienz und Innovation balancieren müssen.

  • In Krisen, wenn kurzfristige Stabilität und langfristige Erneuerung gleichermaßen nötig sind.

  • In Übergangsphasen (z. B. Skalierung, Transformation, Post-Merger).


Fazit

Krisen fordern von Führungskräften, zwischen Stabilität, Innovation und Vermittlung zu balancieren. Operative und adaptive Führung bilden die Pole – Enabling Leadership macht den Unterschied, indem es das Spannungsfeld produktiv gestaltet.

Für Führungskräfte bedeutet das:


  • Prozesse stabil halten, wo es nötig ist.

  • Experimente ermöglichen, wo Neues gebraucht wird.

  • Und durch Enabling Leadership Räume schaffen, in denen beides zusammenkommt.


So wird Führung in Krisen nicht zum Entweder-oder, sondern zu einem sowohl-als-auch – und Teams werden befähigt, gemeinsam resilient und innovativ durch schwierige Zeiten zu navigieren.

Vielleicht ist genau jetzt der Moment, um im eigenen Team zu reflektieren:


  • Welche Routinen geben uns Stabilität?

  • Wo brauchen wir mehr Raum für Experimente?

  • Und wie schaffen wir die Brücken, damit beides zusammenwirkt?


Denn am Ende entscheidet nicht die Abwesenheit von Krisen über den Erfolg einer Organisation, sondern die Fähigkeit, sie gemeinsam zu navigieren.

👉 Krisen zeigen uns, wie wichtig Führung wirklich ist. Wenn Du Dich fragst, wie Enabling Leadership konkret in Deinem Team aussehen könnte – lass uns ins Gespräch kommen. Ich freue mich auf den Austausch.


Bild von Michael Parzuchow auf Unsplash

 
 
 

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