𝐃𝐢𝐞 𝐅𝐫𝐚𝐠𝐞 𝐢𝐬𝐭 𝐧𝐢𝐜𝐡𝐭, 𝐨𝐛 𝐝𝐮 𝐝𝐞𝐧 𝐖𝐞𝐠 𝐟𝐢𝐧𝐝𝐞𝐬𝐭. 𝐒𝐨𝐧𝐝𝐞𝐫𝐧 𝐰𝐢𝐞 𝐯𝐢𝐞𝐥𝐞 𝐔𝐦𝐰𝐞𝐠𝐞 𝐝𝐮 𝐝𝐫𝐞𝐡𝐞𝐧 𝐰𝐢𝐥𝐥𝐬𝐭
- georgkountourakis
- 3. Juli
- 2 Min. Lesezeit
In einer Befragung gab mehr als jeder vierte Autofahrer an, mindestens 30 Minuten zu warten, bevor er nach dem Weg fragt.
30 Minuten, obwohl man längst weiß, dass man sich verfahren hat.
In dieser Zeit fährt man weitere Umwege, verbraucht Energie und Nerven – und entfernt sich möglicherweise noch weiter vom eigentlichen Ziel.
Dabei liegt es nicht daran, dass man ein schlechter Fahrer ist.
Vermutlich würde man auch allein irgendwann wieder auf die richtige Strecke finden. Die Frage ist nur: nach wie vielen Schleifen und zu welchem Preis?
Diese Analogie begegnet mir auch in meiner Arbeit mit Führungskräften.
Ich treffe nur sehr selten auf Menschen, denen es grundsätzlich an Kompetenz fehlt. Meist arbeite ich mit erfahrenen, reflektierten und fachlich starken Führungskräften, die bereits viele anspruchsvolle Situationen erfolgreich bewältigt haben.
Und trotzdem geraten auch sie manchmal an einen Punkt, an dem ihre bisherigen Lösungswege nicht mehr ausreichen.
Vielleicht ist die neue Rolle komplexer. Vielleicht haben sich Erwartungen oder politische Kräfteverhältnisse verändert. Vielleicht greifen fachliche, organisatorische und persönliche Themen so stark ineinander, dass die eigene Perspektive zunehmend enger wird.
Auch dann würde die Führungskraft wahrscheinlich irgendwann selbst einen Weg finden.
Aber wie viele Schleifen möchte sie drehen? Wie viel Zeit soll vergehen? Welche Konflikte verschärfen sich währenddessen? Und welche Kollateralschäden entstehen, bevor eine zusätzliche Perspektive einbezogen wird?
Nicht selten lautet die Rückmeldung nach einem gemeinsamen Klärungsprozess:
„Das hätte ich früher machen sollen.“
Nicht, weil ich die Lösung vorgegeben hätte.
Gute externe Unterstützung nimmt einer Führungskraft weder das Denken noch die Verantwortung ab. Sie hilft ihr, Abstand zu gewinnen, blinde Flecken zu erkennen und die eigenen Fähigkeiten unter veränderten Bedingungen wieder wirksam einzusetzen.
Genau darin liegt für mich eine häufig unterschätzte Kompetenz:
Zu erkennen, wann die eigene Erfahrung ausreicht – und wann eine zusätzliche Perspektive den Weg erheblich verkürzen kann.
Wer nach dem Weg fragt, ist kein schlechter Fahrer.

Er entscheidet nur bewusst, wie viele Umwege er sich leisten möchte.




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