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Macht Home-Office unproduktiv?


Die Arbeit im Home-Office gehört in vielen Betrieben mittlerweile zur Normalität. Die Story dahinter war seit Corona bisher ungebrochen: Home-Office steigert die Zufriedenheit bei den Mitarbeitenden, damit auch die Attraktivität als Arbeitgeber und die Produktivität bleibt erhalten. Schaut man allerdings auf die Schlagzeilen der letzten Wochen fällt ein Schatten auf dieses Thema, ja mehr noch, fast klingt es wie ein Fanal auf das System Home-Office. So kommen aktualisierte Studien von Harvard und MIT-Forschern zu dem Schluss, dass die Produktivität und der Informationsaustausch im Home-Office leiden. Für alle, die ohnehin schon immer den Verdacht hatten das Zuhause größtenteils Däumchen gedreht, Wäsche gewaschen und Kinder gehütet werden, aber auf keinen Fall gearbeitet wird, ist das natürlich Wasser auf die Mühlen. Passend dazu änderte die Firma, die seit Corona für Home-Office quasi per Name steht, Zoom, unlängst auch ihre Homeoffice-Regel und ruft ihre Mitarbeitenden zweimal in der Woche ins Unternehmen zu verbindlichen Office Tagen. Hat Elon Musk also mit seiner radikalen Kritik am Home-Office doch recht? Steht das Ende des Home-Office bevor? Nun nicht ganz, wenn man einer Befragung des Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW folgt. Demnach will die Mehrheit der befragten deutschen Firmen Home-Office nicht nur beibehalten, sondern ausbauen in den nächsten 2 Jahren.

Allerdings gerät in der Diskussion doch einiges durcheinander: So vergleicht man Äpfel mit Birnen, wenn man den amerikanischen Arbeitsmarkt mit dem deutschen Arbeitsmarkt vergleichen möchte. Gerade im Tech-Bereich in den USA reden wir bisher nicht von einer gleichmäßigen Verteilung von Office und Home-Office, sondern vom größtenteils flächendeckenden Home-Office und die Gegenbewegung hierzu lautet auch nicht die Abschaffung des Home-Office (außer bei Elon Musk), sondern wieder verbindliche Office Tage einzuführen. Wohingegen in Deutschland in vielen Unternehmen tatsächlich eher Home-Office an manchen Tagen die Regel ist und Office an vielen Stellen nach wie vor mehrmals pro Woche vorkommt.

Aber zurück zu der eigentlichen Frage: Ist Home-Office vielleicht doch nicht so gut und sollen wir die große Gegenbewegung einläuten? Auch hier ist es wichtig genau hinzuschauen: Weder Office noch Home-Office ist per se gut oder schlecht, beides hat seine Vor- und Nachteile, deswegen gibt es auch nicht das perfekte Modell für alle Firmen. Allerdings ist es wichtig, dass sich jede Organisation für sich Gedanken investiert in die Frage, welches Modell zu ihr passt, was sie effektiver macht und auch für Zufriedenheit bei den Mitarbeitenden sorgt. Nur wer in diesem Dreiklang klare Antworten hat, fährt am Ende ein nachhaltiges Modell.

In Corona sind die meisten Organisationen in das Thema Home-Office reingestolpert und jetzt tun sich viele schwer, eine klare Linie zu finden. Dabei ist es weniger ein Problem, die richtigen Antworten zu finden, sondern eher den Mut zu haben überhaupt die Fragen zu stellen und die Antworten nicht im stillen Keller zu beschließen. Herausforderungsvoll ist für viele vor allem eine gemeinsam akzeptierte Antwort zu finden, die Mitarbeitende, Betriebsrat, Führungskräfte und die Unternehmensleitung gleichermaßen einbezieht. Diese erreicht man am besten durch eine sorgfältige objektive Analyse und eine moderierte Diskussion mit allen Parteien. Was dann am Ende zu einem passt, hängt halt auch von räumlichen Gegebenheiten, von technischer Unterstützung aber auch von der Kultur des Unternehmens ab. Und in diesem Kontext soll auch ehrlich besprochen werden, wie es um Produktivität steht. Wobei auch hier darauf geachtet werden muss, dass Produktivität allein auch nicht der maßgebende Faktor ist, sondern Innovation, Kreativität aber auch Austausch eine wichtige Rolle spielen. Am Ende also geht es um die Effektivität der Arbeit und hier kann sich deutlich unterscheiden an welcher Stelle Homeoffice zieldienlich ist und wann die Arbeit im Büro besser aufgehoben ist. Es macht also Sinn Zeit zu investieren in die Beantwortung der Frage und diesen Prozess ggf. auch neutral begleiten zu lassen. Denn eins ist sicher: Wenn man die Beantwortung aufschiebt, führt das früher oder später zu radikalen erratischen Kurswechseln, die Unzufriedenheit und Widerstand fördern.

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