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Die Macht der Narration


Ich möchte an der Stelle gerne meine Begeisterung für Geschichten und Zukunfts-Stories teilen. Diese Liebe teilen vermutlich viele, aber gar nicht so viele bringen sie methodisch in Verbindung mit Organisationsentwicklung und Transformation. Tatsächlich aber gibt es diese sehr fruchtbare Verbindung, die ich an der Stelle vorstellen möchte: Die narrative Organisationsentwicklung.

Welche Macht Stories und Geschichten haben, ist mittlerweile in den Köpfen vieler Unternehmenslenker:innen durchaus präsent. Und trotzdem werden Zukunftsvisionen von Unternehmen häufig hierzulande doch sehr blutarm und wenig mitreißend erzählt. Nicht selten reduziert sich diese Erzählung auf das Nüchterne aufzählen erst von allgemeinen plakativen Begriffen (Veränderungsdruck, Agil, Digital, Kundenzentriert…), um dann schnell in die Sprache der Buchhalter:innen zu verfallen und viele Kennziffern in den Raum zu werfen, die das Unternehmen der Zukunft dann erreichen soll. Bitte nicht falsch verstehen: Ich bin ein großer Freund davon klare und gut messbare Indikatoren festzulegen, an denen man die Entwicklung und die Richtung eines Unternehmens tatsächlich auch festmachen kann. Aber zum einen sind die messbaren Indikatoren immer nur die eine Seite. Viel an positiver Veränderungen zeigt sich zu Beginn durch qualitative, meistens quantitativ nicht so gut messbare Indikatoren. Vor allem aber haben diese messbaren Indikatoren einen großen Nachteil, wenn sie nicht verbunden sind mit einer mitreißenden Geschichte: Sie bringe niemanden so richtig in Bewegung (außer vielleicht den/die CFO).

Tatsächlich wirken Geschichten auf unser Gehirn viel sinnstiftender und motivierender als die Aufzählungen von Fakten. Und deswegen bedarf es neben und idealerweise vor der Aufzählung von KPI’s einer Geschichte, die die Herzen und Emotionen aller Beteiligten erreicht. Im angelsächsischen Raum ist das Thema Storytelling schon eine fest etablierte Methode des Top und Middle Managements, hier weiß man häufig, dass eine erzählbare Zukunftsvision des Unternehmens notwendig ist, um Begeisterung und Leidenschaft bei den Mitarbeitern zu wecken für einen Change.

Trotzdem greift der alleinige Fokus auf Storytelling auch zu kurz, es ist ja erst mal die Geschichte eines Einzelnen oder einer kleinen Gruppe aus der Unternehmensführung. Das kann im Moment begeistern, muss es aber nicht, wenn die Geschichte zwar gut erzählt ist, aber keine Andockpunkte an das Erleben und die Erfahrungen der Mitarbeitenden hat. Und hier kommt die narrative Organisationsentwicklung ins Spiel. Diese setzt sich aus mehreren Schritten zusammen, wovon Storytelling nur einer ist. Ein entscheidender ist der Ausgangspunkt: Das Story- „Listening“. Man fängt also an, den Geschichten der Mitarbeitenden zuzuhören und zu analysieren.

Jedes Unternehmen hat in sich erzählte Geschichten und diese wirken sich als Verhaltensmuster aus, ob man möchte oder nicht, meistens sogar im Verborgenen. Ich hatte einmal mit einem Unternehmen zu tun, bei dem die Geschichte vom Scheitern eines großen Projektes und dem damit verbundenen Schassen der verantwortlichen Führungsmannschaft bei der Mitarbeiterschaft noch sehr präsent war. Die Unternehmensführung hatte mittlerweile dreimal gewechselt und war sich dieses Wirkmusters gar nicht mehr bewusst, wunderte sich aber über die mangelnde Begeisterung und den Widerstand in Teilen des Unternehmens, als sie ein neues Großprojekt in Angriff nehmen wollte. Diese und solche Geschichten prägen Kultur und Verhalten, da kann man noch so schöne Visionen von neuen Projekten erzählen. Deswegen ist es wichtig zu verstehen, welche Geschichten im Unternehmen wirken und diese sichtbar zu machen. Dadurch kann man den Ausgangspunkt der Transformationsreise erstmal definieren und dann überlegen, wie man es schaffen kann, neue Erfolgsgeschichten zu etablieren. Hier kommt das Story- „Doing“ ins Spiel, bei dem man sich bewusst in einem kleineren Rahmen Aufgaben setzt, die zeigen und erfahrbar machen, wie es anders geht und diese neuen Geschichten entfalten dann eine neue Wirkung im Unternehmen. Das alles verbunden mit einem kontinuierlichen Storytelling schafft eine erfolgreiche Narration der neuen Version, die wie ein mächtiger Treibstoff auf dem Weg hin zur Transformation wirkt. Das macht die narrative Organisationsentwicklung zu einem sehr effektiven Werkzeug bei Transformationsvorhaben.


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