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Was klassische Führung mit roten Ampeln zu tun hat



Bestimmt kennt ihr das auch: Ihr steht in einer beliebigen deutschen Großstadt an der Ampel bei Rot im Stau und wartet darauf, dass diese endlich auf Grün springt. Ist die ersehnte Farbe endlich angezeigt geht das Rennen los, um es doch noch innerhalb der Grünphase über die Ampel zu schaffen. Ansonsten verliert man wieder etliche Minuten beim Warten auf die nächste Grünphase, während der Kreuzungsverkehr an einem vorbeirauscht. Natürlich ist ein Ampelsystem sinnvoll, es verhindert an vielbefahrenen Kreuzungen Unfälle und Chaos. Aber es nervt mit seinen langen Rotphasen und dem ewigen Warten doch sehr. Und irgendwie erinnert es mich fatal an die Abläufe in klassischen Unternehmen. Diese zentrale Entscheidungsinstanz, die vorgibt, wer Vorfahrt hat und wer in der Warteschleife hängt ähnelt doch sehr an die traditionelle Vorgesetzte-Mitarbeitende-Konstellation, in der zentrale Entscheidungen und Abläufe über eine zentrale Führungskraft oder ein Gremium laufen. Diese hat -was menschlich ist- auch nur eine beschränkte Aufnahmekapazität und so kämpft jeder um die wertvolle Aufmerksamkeit der Führungskräfte, um grünes Licht für z.B. das eigene Projekt zu erhalten.

Ich bin unlängst aus Spanien wiedergekehrt und was mir dort im Straßenverkehr immer wieder auffällt, sind Kreisverkehre an den Kreuzungen. Vielleicht ist es nur mein subjektiver Blick aber gefühlt geht es damit deutlich flüssiger voran als in der klassischen Variante der Ampelsteuerung. Kein Wunder – niemand reguliert zentral, sondern die Verkehrsteilnehmer steuern sich selbst. Hierbei erinnert mich der Kreisverkehr sehr an agile Arbeitsformen, es gibt einen festen Rahmen und es gibt zugrundeliegende Regeln aber die Entscheidung, wann man in die Kreuzung fährt und wie man durch die Kreuzung durchkommt ist komplett den Teilnehmern überlassen. Und das scheint auch ganz gut zu funktionieren, jedenfalls läuft der Verkehr in einem Kreisverkehr deutlich flüssiger vonstatten, wenn jeder Teilnehmer verantwortungsvoll und aufmerksam fährt. Das ist in einem agilen Team Kontext nicht anders: Es gibt einen Rahmen, es gibt Regeln und es gibt ein hohes Maß an Selbstverantwortung. Man braucht nicht auf eine zentrale Entscheidungsinstanz zu schauen, sondern richtet sich nach den Umständen und stimmt sich ab. Das vermeidet Wartezeit, Frust und Überlastung.

Wenn ich also die Wahl habe, fahre ich also lieber selbstbestimmt durch einen Kreisverkehr über die Kreuzung, anstatt mich regulieren zu lassen durch andere und vermutlich geht mir das nicht allein so - im Verkehr wie in der Arbeitswelt. Allerdings fällt ein so funktionierendes agiles Arbeitssystem nicht vom Himmel. Es funktioniert auch nicht, die zentrale Führung abzuschaffen und zu glauben, alles reguliert sich nun von selbst. Ich möchte die Metapher hier noch einmal bemühen: Das ist so, als ob man auf einer vielbefahrenen Kreuzung einfach die Ampeln abschafft und hofft, dass sich nun alles selbstverantwortlich koordiniert. Die Folge ist dann Unsicherheit, Frust und ein langer Stau. Wer einen erfolgreichen „agilen Kreisverkehr“ in seinem Team oder Unternehmen schaffen möchte, sollte also durch eine sorgsame Begleitung sicherstellen, dass es einen klaren, akzeptierten, gemeinsamen Handlungsrahmen gibt, und dass jeder befähigt ist auch zu erkennen, wann welcher Einsatz benötigt wird. Vor allem ist es wichtig, ein gemeinsames gutes Verständnis von Selbstverantwortung und Achtsamkeit zu etablieren. Das alles fällt nicht vom Himmel, aber es kann erlernt und bereitet werden.

Wenn ihr Euch also in Eurem Unternehmen flüssigere Abläufe, mehr Motivation und weniger Wartezeiten wünscht, macht es Sinn mit dem Bau des agilen Kreisverkehrs zu starten!


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